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LYRIK IMMERNIE. Gedichte vom Moos der Neunzigerhöhlen.
  2000. edition suhrkamp.
 

Dreiundzwanzig Jahre
(Eine Chronik nach R. Hilberg)

1

Im windverwehten Planquadrat Galizien
Aus dem Dorfe Nimmermehr trieben die Herren
Die Juden raus und zu dem Waldesrand
Dort die die Gruben selber ausgehoben hatten
In die man sie zu Hauf und Tod geschossen

Stand ein Soldat als da das Judenvolk
Sich ausziehn musst um dann an ihm vorbei
Sich brav an Mamas und an Papas Leiche
Darüber hinzulegen damit ers erschoss und andre

Kam eine mit halblangen blonden Haaren
An dem Soldat vorüber sah ihn an und dann
Begann sie mit den beiden schlanken Armen

Auf sich zu weisen schwungvoll zeigte sie
An sich herunter dem Soldaten ihren nackten Körper
Und sagte: Dreiundzwanzig Jahre

2

Es blies ein bisschen Wind am Kopfhaar sah es
Der wenig ältere Soldat der Wehrmacht sogar sah das Schamhaar
Flirrte und dann schoss er sie in Bauch

3

Heut ist der Mann uralt und um ihn die Familie groß
Und stirbt so bald. Von allen Zahlen weiß er gut
Die Dreiundzwanzig denn die Enkelzahl
Brachte ihm nach wahrlich
Arbeitsamem Leben milden Winter


   
   
 
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